Die Szene auf dem Prüfstand

Selbst von Szene-Mitgliedern werden die dort herrschenden Mißstände beklagt, doch eine Lösung ist nicht in Sicht - klar, denn die Szene ist das Problem selbst und nicht Teil der Lösung. In der Szene haben Esoterik-Folklore und "Glauben-Müssen" Hochkonjunktur. Die DTB-Maxime des "Wissen-Wollens" bildet hier ein bewährtes Korrektiv, das häufig mit Rat und Tat behilflich sein kann.

Aber auch sonst geht es in Szene-Kreisen nicht gerade zimperlich zu. Plumpe Tricksereien, wie sie in China schon lange üblich sind, schwappen auch zu uns herüber. Oft lautet die Devise: "Der Wurm soll dem Fisch schmecken - nicht dem Angler. Die De-Mystifizierung des DTB-Dachverbands hat solche "Tipps & Tricks" über Jahrzehnte immer wieder aufgedeckt.

Aus- und Fortbildung in Szene-Schulen

Wer in diesen Milieus eine Lehrer-Ausbildung sucht, sollte im Vorwege von der Schule Garantien einfordern, daß sein Abschluß-Zertifikat überhaupt in der Gesundheitsbildung anerkannt ist. Wer Kassen-Zulassung anstrebt, sollte sich gründlich informieren: Gütesiegel von Netzwerken, Lobby-Organisationen und Esoterik-Gruppierungen sind dafür nicht maßgeblich, da der Vdek ein eigenes Prüfsiegel für die Qualitätssicherung entwickelt hat.

"Oldschool-Unterricht", "Traditionell", "authentisch" und "klassisch"?

Szene-Tricks betreffen häufig Lehrinhalte und "Lineage", also der Bezug auf die chinesischen Taiji-Qigong-Dynastien und ihre Meister. Angebliche Alleinstellungen wie "original", "authentisch", "traditionell" oder "klassisch" üben auf viele Praktizierende eine große Anziehungskraft aus. Solche Klassifizierungen suggerieren "Alte Schule" und damit Echtheit, Wahrhaftigkeit und Bewährtheit. Das allgemeine Bedürfnis nach Authentizität ist ausgeprägt. Klar, denn authentisch zu wirken, ist ja der Schlüssel zum Erfolg in Theater und Schauspiel. Wenn hier Rollen als "gestellt" wirken, ist die Illusion natürlich dahin. Die Wunsch-Welten müssen realistisch wirken, obwohl sie es nicht sind.

Solche "Oldschool-Versprechungen"  gehören zu den gängigen "Tipps & Tricks" chinesischer Großmeister. Mystifizierung war in den Gefilden von "Neijia" und "Wudang" schon immer ein bewährtes Strickmuster. Es soll nicht nur Autorität, Vertrauenswürdigkeit, Meisterschaft und "Unantastbarkeit" signalisieren, sondern auch die Gewißheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch Vorsicht bei solchen vollmundigen Versprechungen: Die Voraussetzungen dafür sind in den eng-gefaßten Szene-Welten garnicht gegeben. Abgrenzungen wie diese sind für Fachleute nur leere Worthülsen.

Taiji-Qigong-Szene - Krankenkassen ziehen die Notbremse

Selten hat die Szene so viel Aufmerksamkeit bekommen wie unlängst bei der Neufassung des ZPP-Leitfadens. Dies ist als "Szene-Gau" der absolute Tiefpunkt. Als größter "externer Qualifizierer" hat sich der Vdek nun endlich zu einem Umdenken entschlossen: Im ZPP-Leitfaden, die Grundlage für Anerkennungen, sind alle "Fachorganisationen" der Szene gestrichen. Dies war dem DTB bereits seit längerem zugesagt worden. Die Krankenkassen rücken damit deutlich ab von den "Qi-Welten" der Szene. Dies führt unweigerlich zu einer weiteren Polarisierung der Anbieter-Landschaft .

Zudem werden künftig umfassende Kompetenzbereiche wie naturwissenschaflich-medizinische Grundlagen und eine bestandene Abschluß-Prüfung gefordert. Auch wurden grundlegende Neuerungen eingeführt für die Vergabe des Vdek-Siegels "Deutscher Standard Prävention. Anders als oft behauptet sind Prüfsiegel der Szene also keineswegs tauglich für Kassen-Zulassungen der ZPP. Wie DTB-Dokus zeigen, taten sich zahlreiche Szene-Lehrer schon immer schwer mit Pädagogik / Didaktik. Viele scheiterten bereits am Erstellen simpler Stundenbilder für ZPP-Kurse (!).

Für viele in der Szene bildet die sogenannte "Routine" eine große Hürde: Wer im Bereich Taijiquan oder Qigong eine nach den Kriterien des neuen Leitfadens gestaltete Ausbildung absolviert hat, braucht zwar keinen Grundberuf, um sich bei der ZPP zertifizieren zu lassen. Wer die Mindeststandards erfüllt, aber keinen staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss mit Bezug zu den in den Mindestanforderungen definierten fachwissenschaftlichen Kompetenzen hat, muß jedoch mindestens 200 Stunden Kursleitererfahrung nachweisen.

Die Taijiquan-Qigong-Szene - Updates zu Entwicklungen in Deutschland

Im "Sammelbecken der Szene" geht es um esoterische Heilslehren. Hier tummeln sich Scharen von Praktizierenden des Taijiquan und Qigong. Doch immer mehr bemerken frustriert: In den aufgewühlten Fluten stößt man rasch auf Intransparenz, Intoleranz und Beliebigkeit. In zahlreichen Gruppierungen gehören Deutungshoheit und politische Korrektheit "zum guten Ton". Rationale Argumentation gerät in den Hintergrund. Die Folge: Aussagekraft und Glaubwürdigkeit sucht man vielerorts vergeblich. Man wähnt sich im falschen Film und die Zustimmung sinkt. Die Dynamik erfordert ständige Updates und Anpassungen aller Beteiligten.

Wachsende Kritik an "Wildwest-Manier"

Fragwürdige Szene-Begebenheiten zeigen: In diesem Milieu ist ein starkes Nervenkostüm angeraten und man ahnt: Häufig ist das Umgehen miteinander nicht gerade die feine Art. Davon distanziert sich der DTB-Dachverband.

Die Szene ist gestresster denn je und agiert zunehmend dünnhäutiger. Immer häufiger stößt man auf eine Art "Wildwest-Manier", die außerhalb von Szene-Kreisen auf immer weniger Verständnis trifft. Der DTB-Dachverband ist bezüglich dieser Negativ-Entwicklung kontinuierlich up-to-date, weil er trotz Korrektiv-Funktion defacto eine Anlaufstelle für viele aus der Szene darstellt.

Szene-Befürworter haben das Problem der sinkenden Reputation früh erkannt und versuchen in vielerlei Ansätzen, dem ungenügendem Szene-Image entgegenzuwirken. Doch wie man sich auch drehen und wenden mag - eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die Ursache ist neben der Hilflosigkeit zudem "systembedingt". Es liegt am "Münchhausen-Prinzip" und dem mangelnden Realismus. Das wiederum bedeutet: Man dreht sich im Kreise wie in einem Hamsterrrad und kommt nicht voran. Die Leidtragenden sind diejenigen, die dennoch den Botschaften der Spin-Doktoren vertrauen und sich auf sie verlassen.

Die Taiji-Qigong-Szene - "Miteinander", "Nebeneinander" oder nur "Durcheinander"?

Die Szene lebt von ihrer umfassenden Vernetzung. Doch dies ist noch keine Garantie für das vielerorts erhoffte "Miteinander". Schlimmer noch: Paradoxerweise offenbart gerade dieses Bemühen um Gemeinsamkeit auf schmerzhafte Weise die bestehende Uneinigkeit. Die zunehmende Zersplitterung in "Sub-Kulturen" im deutschsprachigen Raum bereitet den Protagonisten Sorge. Folgerichtig gab und gibt es immer wieder Versuche, nicht vorhandene Synergien für partnerschaftliche Zusammenarbeit zu beschwören und neue Impulse zu setzen. Das übergreifende Ziel ist dabei klar: Ein Gefühl zu vermitteln von Geschlossenheit, positiver Einstellung und Schaffenskraft. Dieses recht naive "In Szene setzen" verkennt allerdings die Gegebenheiten der realen Welt. Vielmehr fördert es die für die Szene typischen Traumwelten.

Eine Szene bildet sich typischerweise als ein soziales Netzwerk, das durch gemeinschaftliche Interessen, Überzeugungen oder Vorlieben mehr sein kann als die Summe seiner Teile. Ein Großteil der Praktizierenden des Taijiquan und Qigong haben durchweg viel gemeinsam - zudem betreibt man Übesysteme, die gleichen oder ähnlichen Prinzipien folgen. Doch hinter den Kulissen der zur Schau gestellten Harmonie rumort es. Die Enttäuschung über geplatzte Wunschträume wächst ständig an und die Abspaltungen nehmen zu. Zudem klaffen Selbstbild und Fremdwahrnehmung immer weiter auseinander und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Mit einem kreativ-künstlerischen Ansatz für mehr "Miteinander" und "Kulturaustausch" versuchten kürzlich Szene-Befürworter, das Blatt zum besseren wenden durch die Stärkung des gemeinschaftlichen Eintretens auf kultureller Ebene. Während sich einige dazu bekannten, ist aufschlußreich, wer das Anliegen nicht unterstützte. Dazu zählt der DTB und offenbar auch der Szene-Verband DDQT - eine seltene Übereinstimmung.

DTB zum Szene-Projekt "Miteinander hat Kultur"

Die hier erwähnte Aktion „Miteinander hat Kultur“ ist ein anschauliches Beispiel dafür, "wie die Szene tickt". Die Initiative von Helmut Oberlack und seinem TQJ-Team ist sicherlich gut gemeint - aber man sucht (mal wieder) den "Schlüssel unter der Laterne" und nicht dort, wo man ihn verloren hat. Es scheint, als ob hier dem bekannten Szene-Durcheinander mit einem Miteinander begegnet werden soll. Stattdessen hätte man ja ganz einfach am traditionellen chinesischen Wushu-Gruß anknüpfen können. Er bedeutet u. a. "den Kampf anhalten" und symbolisiert somit kulturelle Werte par Exellence. Dazu zählen Respekt dem anderen gegenüber und das Bekenntnis zur Friedfertigkeit. Viele Praktizierende des Tuishou / Pushhands sind ja damit vertraut.

Der Taijiquan-Qigong-Spitzenverband DTB nimmt nicht Teil an der Initiative „Miteinander hat Kultur“. Das Projekt wird weder unterstützt noch gesponsort. Auch zahlreiche Gruppierungen, Schulen und Lehrende der Szene, wie beispielsweise der DDQT-Dachverband zählen nicht zu den Unterzeichnern. Auch vier Jahre nach dem Start ist das Resultat sozusagen "überschaubar" geblieben. Ein Grund könnte der unverbindliche Slogan selbst sein - er bedeutet ja lediglich: "Eine Worthülse hat eine andere Worthülse". Was soll das beinhalten außer dem Wunsch nach einer besseren Welt und dem Stoppen des Durcheinanders in der Community?

Ein Ziel dieses neuen Szene-Projekts ist, dass sich möglichst viele Qigong-Taiji-Treibende zusammenschließen und öffentlich für ein Miteinander der Kulturen eintreten. Angestoßen wurde das ganze 2018 vom "Taijiquan-Qigong-Journal". An die Unterzeichner wird appelliert, sich einzusetzen für kulturelle Vielfalt, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Zu den Unterstützern zählen das Taijiquan-Qigong-Netzwerk / BVTQ und die Deutsche Qigong Gesellschaft. Siehe auch den Artikel zu ähnlichen Versuchen: Tajiquan und Qigong: Szene-Projekte, Praktizierende, Organisationen.

Es wird dafür plädiert, mit Offenheit den Menschen aus allen Kulturen zu begegnen und bereit zu sein, sich mit ihnen und ihrer Kultur auseinanderzusetzen. Auf der Webseite "Miteinander-hat-Kultur.org" heißt es dazu: In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, wird das immer wichtiger. Dabei können wir voneinander lernen, zum Wohle aller. Wenn wir uns mit Toleranz, offenem Herzen und wachem Geist begegnen, entsteht ein Miteinander in der kulturellen Vielfalt. Dafür treten die Unterzeichner ein. Siehe auch die DTB-Doku: Taijiquan-Qigong-Szene Deutschland.

Und weiter wird erklärt: Qigong und Taijiquan sind seit einigen Jahrzehnten in Mitteleuropa weit verbreitet. Diese Bewegungskünste kommen aus China. Wir, die Qigong und Taijiquan praktizieren, haben sie als sehr hilfreich für unser Leben  kennengelernt. Nun verbreiten wir diese Bewegungskünste, die aus einer anderen Kultur zu uns gekommen sind. Wir spüren und erfahren, welche positiven Effekte Taijiquan und Qigong für uns haben, und machen so die Erfahrung, dass Elemente einer anderen Kultur uns wichtige Impulse für unsere Entwicklung geben und sich gut in unsere Lebensweise integrieren lassen.

Neuer Frust in der Taiji-Qigong-Szene - ein Beispiel

Menschen, die sich in Gemeinschaften engagieren, glauben oft an Kooperationen und Teamwork - bis sie dann frustriert und desillusioniert das Handtuch werfen und sich zielgerichteren Tätigkeitsbereichen zuwenden. Eine von ihnen ist Angela Menzel, Lehrerin für Tai Chi und Wushu in Göttingen. Sie kennt sich gut aus in der "Szene-Vertretung" DDQT, denn sie hat von 1999 bis zu seiner Gründung 2003, den Werdegang des Lobby-Verbandes begleitet. Und danach war sie von 2005 an im Vorstand ehrenamtlich tätig. Zuletzt über 5 Jahre als 1. Vorsitzende.

Freimütig und enttäuscht thematisiert sie nach ihrem fristlosen Ausscheiden selbst "persönliche Charakterschwächen" ihrer Kollegen. Für den DTB-Dachverband kommt ihre Kritik nicht überraschend; eine Fülle ähnlicher Vorfälle, Aktionen und denkwürdiger Begebenheiten hat der DTB ja seit Bestehen des DDQT und anderer Szene-Vereinigungen immer wieder behandelt.

Angela sagt: "Diese Zeit war anstrengend und ausgeprochen lehrreich. Insbesondere hat sie sehr nachhaltig aufgeräumt mit jeglicher Art von Vorurteil, Hoffnung und Vorschußlohrbeeren gegenüber der Menschen, die in der Nische Taiji/Qigong Lehrender/Ausbildender sich nicht nur mit ihren Stärken sondern vor allem mit ihren persönlichen Charakterschwächen ausbreiten. Vorzugsweise gegen Kolleg*innen. Ich habe meine Mitgliedschaft in o.g. Verband 2020 fristlos aufgekündigt." Quelle: http://tai-chi-schule-goettingen.de/links/.

Angela Menzel war wie auch Nils Klug Mitglied der Medien-AG des DDQT. Ihre Unterstützung des DDQT währte also von 1999 bis 2020. Wenn also ein DDQT-Insider nach 20 Jahren zu obiger Bilanz kommt, so ist dies höchst aufschlußreich und sicher kein gutes Omen für die Szene. Siehe auch DTB-Info hier: Qigong-Tai-Chi-Ausbildung Göttingen und Qigong Tai Chi Ausbildung Göttingen PLZ 3.

Tuishou-Lesetipp: Push-Hands-Verband DTB ev

Der DTB als Push-Hands-Verband für Deutschland hat eine neue Hompage www.pushhands-tuishou.de/. Es geht um die Partnerübungen des Wushu / Kungfu. Im Tai-Chi-Qigong-Dachverband DTB ev kommt dem Übesystem Tuishou-Pushhands eine wichtige Brücken-Funktion zu. Sie verbindet das Tai Chi Chuan (Taijiquan) und das Qigong. Als "verbindende Sparte" unterstützen hier die Übungen zur Entwicklung der "Inneren Kraft" effektiver als es mit "reinem Qigong" oder allein mit dem Tai Chi Chuan möglich wäre.