Die Taiji-Qigong-Szene - DTB-Dachverband als Korrektiv

Dr. Langhoff über die Taiji-Qigong-Szene DeutschlandsTaoistische Künste des "Yangsheng" wie Taijiquan und Qigong, pflegen inneres Wachstum und die freie Sicht über Ich-Begrenzungen hinweg. Doch Szene-Vereinigungen, Lobby-Verbände und Heilslehren haben ganz andere Interessen. DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff erklärt hier, daß sich Praktizierende in der "Taiji-Qigong-Szene" nur schwer innerlich weiterentwickeln können - zu ungewohnt ist in solchen Gruppen der doch so nötige "Blick über den Tellerrand.

Er steht gern mit Rat und Tat zur Verfügung. Bereits bei der Gründung der "Qualitätsgemeinschaft Tai Chi Zentrum" 1989 trat er ein für Ideologie-Freiheit und De-Mystifizierung. Der promovierte Philologe blickt zurück auf eine 50-jährige Erfahrung mit deutschen und internationalen Organisationen.

DTB-Beirat und DTB-Qualitätskontrolle

Die von Dr. Langhoff 1989 eingeleitete Entmystifizierung und das Primat des ideologie-freien Faktenchecks stieß zwar in Teilen der Szene auf Ablehnung, begeisterte aber vor allem die Krankenkassen, die Sportvereine und die Volkshochschulen. Hier gerieten Übungsleiter aus der Esoterik-Branche stetig mehr ins Hintertreffen. Mit der Gründung des DTB-Dachverbandes 1996 wurde zudem ein wissenschaftlicher Beirat etabliert, der bis heute die Qualitätskontrolle des DTB und der angeschlossenen Institutionen maßgeblich flankiert. Seither sieht auch die Öffentlichkeit die Szene viel kritischer als zuvor.

DTB-Community statt Szene: Kontakte und Austauschtreffen leichtgemacht

Bei der Suche nach Austausch unter Praktizierenden des Tai Chi Chuan (Taijiquan) oder Qigong ist die Beurteilung besonders für Laien oft schwer. Kontakte auf Treffen sind vielen wichtig - dies gilt besonders in der Nach-Corona-Zeit. Welt-Tai-Chi-Tage, Pushhands-Treffen, Flash-Mob-Events und zahlreiche andere Formen von Veranstaltungen versprechen Austausch unter Gleichgesinnten. Internet-Foren erleichtern Vorab-Informationen, Überblicke und problemlose Anmeldungen, um dabeizusein.

Oft kann man sich im Vorwege Einblicke verschaffen und sich Enttäuschung und Frust ersparen. Zudem bietet die bundesweite "DTB-Community" gute Gelegenheiten, sich jenseits von Szene-Kult näherzukommen. Im DTB hat sich eine "Community mit Weitblick" zusammengefunden, die seit 2000 viermal jährlich Treffen organisiert. Sie finden montags 14 Uhr bis freitags 12 Uhr statt. Themen sind Tai Chi, Qigong und Tuishou / Pushhands. Alle Events sind als Bildungsulaub anerkannt.

Krankenkassen ziehen die Notbremse

Als größter "externer Qualifizierer" hat sich der Vdek nun endlich zu einem Umdenken entschlossen: Im ZPP-Leitfaden, die Grundlage für Anerkennungen, sind alle "Fachorganisationen" der Szene gestrichen. Dies war dem DTB bereits seit längerem zugesagt worden. Die Krankenkassen rücken damit deutlich ab von den "Qi-Welten" der Szene. Dies führt unweigerlich zu einer weiteren Polarisierung der Anbieter-Landschaft .

Zudem werden künftig umfassende Kompetenzbereiche wie naturwissenschaflich-medizinische Grundlagen und eine bestandene Abschluß-Prüfung gefordert. Auch wurden grundlegende Neuerungen eingeführt für die Vergabe des Vdek-Siegels "Deutscher Standard Prävention. Anders als oft behauptet sind Prüfsiegel der Szene also keineswegs tauglich für Kassen-Zulassungen der ZPP. Wie DTB-Dokus zeigen, taten sich zahlreiche Szene-Lehrer schon immer schwer mit Pädagogik / Didaktik. Viele scheiterten bereits am Erstellen simpler Stundenbilder für ZPP-Kurse (!).

Für viele in der Szene bildet die sogenannte "Routine" eine große Hürde: Wer im Bereich Taijiquan oder Qigong eine nach den Kriterien des neuen Leitfadens gestaltete Ausbildung absolviert hat, braucht zwar keinen Grundberuf, um sich bei der ZPP zertifizieren zu lassen. Wer die Mindeststandards erfüllt, aber keinen staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss mit Bezug zu den in den Mindestanforderungen definierten fachwissenschaftlichen Kompetenzen hat, muß jedoch mindestens 200 Stunden Kursleitererfahrung nachweisen.

Qualitätssicherung im Qigong und Tai Chi (Taijiquan)

Der Zentralverband DTB ev setzt sich engagiert ein für Qualitätssicherung und Einheitlichkeit von Standards. Die damit einhergehende Transparenz und Vergleichbarkeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Dies gilt besonders für den Bereich der Prävention / Gesundheitsbildung mit Tai Chi und Qigong. Der Verband kooperiert dabei mit anderen namhaften Institutionen der Gesundheitsbildung mit dem gemeinsamen Ziel des Teilnehmerschutzes. Qualitätssicherung im Qigong und Tai Chi (Taijiquan).

Die Taijiquan-Qigong-Szene in Deutschland

Hier soll es gehen um jene schwärmerisch-romantisch geprägte Community, die sich selbst gern als "Taijiquan-Qigong-Szene" bezeichnet. Sie empfindet diese Zugehörigkeit durchaus positiv. Aber für den DTB paßt solche Selbst-Inszenierung eher in den Bereich von Show und Theater. Und viele, die in diesen Kreisen ihre Potenziale ausschöpfen möchten, sind früher oder später frustriert. Die DTB-Erklärung: In der Szene sucht man den verlorenen Schlüssel unter der Laterne, "weil es dort heller ist"! Dies kann man veranschaulichen mit der "Penrose-Treppe, auf der ein Vorankommen unmöglich ist. Quelle: wikipedia.org/wiki/Penrose_stairs#/media/File:Impossible_staircase.svg.

Abgrenzung des DTB-Dachverbands

Der DTB-Dachverband für Tai Chi und Qigong und seine Partner-Institutionen grenzen sich von Szene-Gruppierungen ab und möchten mit ihnen nicht verwechselt werden. Eine Schwierigkeit, die die Wichtigkeit von Transparenz verdeutlicht ist, daß Szene-Vertreter zunehmend die DTB-Arbeitsweise kopieren. Sie versuchen so, ihre Reputation zu steigern und beharren doch auf ihren "Qi-Erlebniswelten".

Für den DTB-Dachverband ist eine klare Abgrenzung besonders wichtig von Lobbyismus-Vereinigungen und Heilslehren. Er setzt auf Prägnanz und Entschiedenheit - "Szene-Beliebigkeit" sucht man in der DTB-Community vergebens, denn es geht um De-Mystifizierung. Ziele sind Transparenz und ideologie-freie Überprüfbarkeit.

"Standards statt Szene" - DTB-Motto der ersten Stunde

Die Szene-Kapriolen erhitzen regelmäßig die Gemüter - weit über die Versammlungen ihrer Verbände hinaus. Und nun haben sich auch die Krankenkassen massiv eingeschaltet. Der DTB begrüßt diese Entwicklung und hatte sie tatkräftig unterstützt.

Dieses DTB-Motto der ersten Stunde hat unlängst einen neuen Höhepunkt an Aussagekraft errungen durch das Umdenken des Vdek, der ZPP und der Krankenkassen. Parallel dazu haben die Ausbildungsleitlinien der Taiji-Qigong-Szene ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht, weil ihre "Fach-Organisationen" aus dem ZPP-Leitfaden gestrichen wurden. Ihre Szene-Folklore wurde gemessen und für zu leicht befunden - bei der ZPP müssen sie künftig den Kriterien eines Scoring-Modells genügen, dessen Mechanismen im DTB seit Jahren Anwendung finden.

Pioniere der ersten Stunde wie F. T Lie, Dr. J. Zöller und Ch. Proksch haben den Aufbau der europäischen Taiji und Qigong Szene entscheidend mitgestaltet. Viele ihrer Schüler von damals bilden heute selbst Lehrer aus. Der DTB-Dachverband weist darauf hin, daß solche Organisationen und ihre Lehrbeauftragten nur Mitglieder sein können, wenn ihre Ausbildungsleitlinien den hohen Anforderungen des Vdek entsprechen. DDQT-Gütesiegel und ähnliche Kennzeichen werden weder von Krankenkassen noch vom DTB anerekannt - beide Institutionen haben eigene, unabhängige Qualitätssicherungen entwickelt. Lesetipp: Taiji-Qigong-Szene in Deutschland.

Neuer Frust in der Taiji-Qigong-Szene - ein Beispiel

Menschen, die sich in Gemeinschaften engagieren, glauben oft an Kooperationen und Teamwork - bis sie dann frustriert und desillusioniert das Handtuch werfen und sich zielgerichteren Tätigkeitsbereichen zuwenden. Eine von ihnen ist Angela Menzel, Lehrerin für Tai Chi und Wushu in Göttingen. Sie kennt sich gut aus in der "Szene-Vertretung" DDQT, denn sie hat von 1999 bis zu seiner Gründung 2003, den Werdegang des Lobby-Verbandes begleitet. Und danach war sie von 2005 an im Vorstand ehrenamtlich tätig. Zuletzt über 5 Jahre als 1. Vorsitzende.

Freimütig und enttäuscht thematisiert sie nach ihrem fristlosen Ausscheiden selbst "persönliche Charakterschwächen" ihrer Kollegen. Für den DTB-Dachverband kommt ihre Kritik nicht überraschend; eine Fülle ähnlicher Vorfälle, Aktionen und denkwürdiger Begebenheiten hat der DTB ja seit Bestehen des DDQT und anderer Szene-Vereinigungen immer wieder behandelt.

Angela sagt: "Diese Zeit war anstrengend und ausgeprochen lehrreich. Insbesondere hat sie sehr nachhaltig aufgeräumt mit jeglicher Art von Vorurteil, Hoffnung und Vorschußlohrbeeren gegenüber der Menschen, die in der Nische Taiji/Qigong Lehrender/Ausbildender sich nicht nur mit ihren Stärken sondern vor allem mit ihren persönlichen Charakterschwächen ausbreiten. Vorzugsweise gegen Kolleg*innen. Ich habe meine Mitgliedschaft in o.g. Verband 2020 fristlos aufgekündigt." Quelle: http://tai-chi-schule-goettingen.de/links/.

Angela Menzel war wie auch Nils Klug Mitglied der Medien-AG des DDQT. Ihre Unterstützung des DDQT währte also von 1999 bis 2020. Wenn also ein DDQT-Insider nach 20 Jahren zu obiger Bilanz kommt, so ist dies höchst aufschlußreich und sicher kein gutes Omen für die Szene. Siehe auch DTB-Info hier: Qigong-Tai-Chi-Ausbildung Göttingen und Qigong Tai Chi Ausbildung Göttingen PLZ 3.

Die Taijiquan-Qigong-Szene

Eine Szene bildet sich typischerweise als ein soziales Netzwerk, das durch gemeinschaftliche Interessen, Überzeugungen oder Vorlieben mehr sein kann als die Summe seiner Teile. jEin Großteil der Praktizierenden des Taijiquan und Qigong haben durchweg viel gemeinsam - zudem betreibt man Übesysteme, die gleichen oder ähnlichen Prinzipien folgen. Statt von einer "Taijiquan-Szene" und einer "Qigong-Szene" zu sprechen, kann man sie zusammenfassen zu einer Taiji-Qigong-Szene.

Solche Communities bieten das, was viele wünschen: Vielseitige Kontakte, lebendigen Austausch und ein umfassendes Repertoire von Weiterbildungen. Aber es offenbaren sich bei genauerem Hinschauen auch grundlegende Unterschiede. Daher sollte man nicht von EINER Szene sprechen und damit eine nicht existierene Einheit suggerieren.

Insbesondere moderne Multimedia-Formate erweisen: Die Szene-Protagonisten schöpfen aus einem großen Reservoir von Praktizierenden, die schwärmen für den Nimbus von magischen, quasi übermenschlichen Fähigkeiten. Ihr Streben, Mitglied in einer ausgezeichneten "Insider-Gruppe" zu sein, ist menschlich verständlich - aber macht es auch Sinn? Der DTB rät davon ab. Ein großer Teil der Lehrenden in Deutschland ist vom DTB-Dachverband nicht anerkannt. Dazu zählen Lobbyismus-Vereinigungen und Heilslehren.

Denn Vorsicht ist geboten: Hinter den Kulissen steht häufig traditionell östliche Folklore, die nicht immer Fiktionen von Fakten trennen. Ein Grund: Chinesische Übesysteme aus den Bereichen Meditation, Kampfkunst und Gesundheitsförderung sind traditionell geprägt von Esoterik und Geheimnissen. Letzlich geht es bei dieser "Beliebigkeit" fast immer um "Kult" und "Quasi-Religiosität". Wer solchermaßen "zur höchsten Wahrheit" gelangt ist, tut sich erfahrungsgemäß schwer mit Argumenten.

Häufig ist in solchen Communities die Rede von Tempeln und geheimen Praktiken daoistischer Mönche - man denke nur an den Wuxia-Bereich, das "Wudang-Qigong" oder das Wudang-Taiji". Phantasievolle Gewänder und Rituale tun ihr übriges, um den exotischen Mantras ihrer Wortführer den richtigen "Spin" zu geben. Etwas überspitzt könnte man sagen: Je klösterlicher und abstruser das Gehabe des Lehrers, desto besser kommt er bei seinen Schülern an. All dies ist m. E. ein Unding in der westlichen Erwachsenenbildung!

Zudem können Loyalität und Wude-Moralkodex chinesischer Familien-Clans die freie innere Positionierung beeinträchtigen. Einheitliche Standards sucht man hier vergebens. Kurz gesagt geht es typischerweise nicht um Wissen-Wollen sondern um Glauben-Müssen. Allen, die sich von Magie und Übersinnlichem angezogen fühlen, sollte klar sein, daß sich so keine innerlich gefestigten Persönlichkeiten im westlichen Sinne entwickeln können. Potenziale liegen brach und die Entwicklung stoppt - obwohl doch gerade das Wachstum das Ziel sein sollte.

Immer mehr selbsternannte "Spin-Doktoren" melden sich zu Wort und propagieren "gefühlte Fakten". Damit verbunden ist das Ziel vieler, dass die Taijiquan-Qigong-Szene bei aller Unterschiedlichkeit möglichst gemeinschaftlich nach außen auftritt. Aber die innewohnende Unschlüssigkeit vieler Praktizierender und ihrer Protagonisten befördert auch hier eine "Schwarm-Intelligenz" - besonders deutlich in den Socialmedia-Filterblasen. Mehr dazu: Taijiquan-Qigong-Szene in Deutschland.

Öffentlichkeitsarbeit in der Szene

Einblicke in die Szene geben u. a.  unterschiedlichste Foren, Newslettern, Journalen und sogenannte "Fachzeitschriften". Die Bandbreite mit vielfältigsten Themen reicht von Unsterblichkeit bis Unbesiegbarkeit. Schnell erkennt auch der Laie: Hier gelten Wunschdenken, gefühlte Fakten und Illusionen - und wer Zweifel äußert, ist unversehens unerwünscht und draußen. Auch die modernen Sozialmedien sind hier Kult und verbreiten Szene-Botschaften in Windeseile rund um den Globus.

Journale als Fachorgane für Praktizierende des Taijiquan und Qigong sprechen insbesondere Menschen an, die sich für weiterbilden möchten. In der Szene hat hier der doch so nötige Faktenchec oft keinen Platz. Zudem beziehen solche Publikationen zunehmend auch Rand-Bereiche ein, deren Seriosität zweifelhaft erscheint und man sich fragt, warum so etwas verbreitet werden sollte. Auch hier gilt: Man sollte man nicht alles glauben, was man zu lesen bekommt. Siehe die Abgrenzung zu Nils Klug, Tai Chi Studio Hannover.

Fakes auf dem Vormarsch

Die "Qi-Energie" zu meistern und praktisch einzusetzen macht die Kompetenz sogenannter "Qi-Meister" aus. Es ist jedoch nicht leicht, solche Fähigkeiten unvoreingenommen und wiederholbar zu überprüfen. Dies ist eine große Verlockung für unseriöse Vertreter von Heilslehren, die mit unhaltbaren Versprechungen auf Kundenfang gehen. Besonders in China ist in weiten Teilen der Bevölkerung der Respekt vor Kungfu-Meistern groß - und ebenso groß ist dann die Bereitschaft, an Übersinnliches zu glauben.

Fakes und fragwürdige Demos schießen daher so ins Kraut, daß das Ansehen nun an Strahlkraft einbüßt. Die staatlich geführte "Chinese Wushu Association" sah sich kürzlich nach langem Zögern zum energischen Handeln gezwungen, um den eklatanten Vertrauensverlust zu stoppen. Sie hat kürzlich die Führung bestimmter Meister-Titel kurzerhand verboten.

So haben Scharlatane oft leichtes Spiel und angesichts der neuerlichen Betrügereien und Tricksereien sogenannter "Taiji-Qigong-Meister" in China hatte der DTB-Dachverband nachdrücklich auf die Mängel und Defizite in der Taijiquan-Qigong-Szene hingewiesen. Solche "Berufsbilder" sind mit westlicher Erwachsenenbildung unvereinbar.

 Die Zersplitterung der Taiji-Qigong-Szene

Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu Spaltungen in der Community - mit zunehmender Tendenz zum "Lagerdenken". Der oft beschworene Zusammenhalt aller Praktizierender des Tai Chi Chuan (Taijiquan) und Qigong ist bloßes Wunschdenken von "interessierter Seite". Und das hat sein Gutes: Heilslehren, Lobbyisten und Scharlatane wären die Nutznießer - und für den Verbraucherschutz wäre dieses Szenario ein Desaster. Man denke nur an chinesische Tuishou-Meister und das Narrativ von Unbesiegbarkeit: Freies Pushhands. Quelle: Taiji-Qigong-Szene Deutschland.